Alter Steinbruch am Engestieg

Hier wurde bis 1955 Amphibolit abgebaut.

Koordinate: 50° 53′ 11.04“ N, 10° 21′ 34.95“ E

Dunkel, schwer und zäh…

Amphibolite sind mittel- bis hochgradig metamorphe, meist dunkle Gesteine. Sie bestehen zum größten Teil aus Mineralen der Amphibol-Gruppe (z.B. Hornblende) und enthalten zusätzlich über 10 % Feldspat (meist Plagioklas) aber weniger als 10 % Quarz. Ihre Ausgangsgesteine sind SiO2-arme „basische“ Vulkanite, also Andesite und Basalte bzw. ihre Tiefengesteins-Äquivalente (Diorite und Gabbros).

Amphibolite treten in verschiedenen Einheiten des Ruhlaer Kristallins auf. Ihre vulkanischen Ausgangsgesteine („Protolithe“) entstanden aber zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen plattentektonischen Situationen.
Amphibolit am Engestieg (Ruhla)

Hier im tieferen Teil der Gömigenstein-Formation bilden Amphibolite größere linsenförmige Körper in den Glimmerschiefern, die an mehreren Stellen Ziel der Gewinnung von Hartgesteinen waren. Ihre geochemische Signatur deutet auf einen basischen Magmatismus im Bereich eines vulkanischen Inselbogens hin, der von der Subduktion ozeanischer Kruste gespeist wurde (Hansch & Zeh 2002). Andere Amphibolite in der Truse-Formation zeigen hingegen einen Chemismus, wie er für Basalte an Mittelozeanischen Rücken typisch ist.

Zur Geschichte des Steinbruchs

Aus den Akten im Stadtarchiv Ruhla lässt sich die Geschichte des Steinbruchs rekonstruieren. Im Februar 1907 legte die Königliche Landesanstalt für Geologie in Berlin, beauftragt von der Stadt Ruhla, ein Gutachten vor, das dem Gestein eine gute Eignung z.B. für den Straßenbau bescheinigt. Die Berliner Geologen wiesen schon damals auf die hohen Kosten bei der Bearbeitung derart zäher Gesteine hin. Ein weiteres Gutachten durch die Köngl. Materialprüfanstalt (Berlin) aus dem Jahr 1910 attestierte dem Amphibolit auch eine gute Eignung als Zuschlagsstoff für Beton.

Das Brechergebäude im Jahr 1953.(Bildquelle: Archiv Martin Kahlert, Ruhla)

Der eigentliche Steinbruchbetrieb wurde wohl 1910 aufgenommen. Zuvor gab es einen Streit mit der Forstverwaltung und den Pächtern, da die Fläche vertraglich als Rodeland und für den Anbau von Kartoffeln vorgesehen war. Der Streit wurde durch die Ausweisung von Ersatzflächen beigelegt.
Im Juli 1910 errichtete die Mitteldeutsche Beton- und Eisenbeton-Bau G.m.b.H. einen Steinbrecher, der nach anfänglichen Schwierigkeiten noch im gleichen Jahr den Betrieb aufnahm. Zuvor musste jedoch ein stärkeres Elektrokabel durch die Dornsengasse verlegt werden, denn die vorhandene Leitung war für die hohe Leistung nicht ausgelegt.
Der Steinbruch am Engestieg 1953. (Bildquelle: Archiv Martin Kahlert, Ruhla)

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb durch den VEB (K) Steinbruch Ruhla (das K steht für „kreisgeleitet“) wieder aufgenommen. Doch unerwartete Mehrkosten und lange Stillstandszeiten machten den Betrieb defizitär. Die Anlage war für eine weit höhere Produktion ausgelegt, als tatsächlich abgesetzt werden konnte und die steile Zufahrt machte den Bau einer Bandförderanlage bzw. einer Rutsche notwendig.

Nach mehreren Jahren mit schlechten Geschäftsergebnissen empfahl der Rat des Bezirkes Erfurt im Februar 1955 die Einstellung des Steinbruchs und die Übernahme der Technik durch den VEB (K) Porphyr- und Schotter-Werk Tambach-Dietharz.

Die Grube „Eisernes Kreuz“

Erzgang in der Grube „Eisernes Kreuz“.
Unter dem ehemaligen Brecher (heute Privatgelände) befindet sich ein etwa 100 m langer Stollen mit zwei Querschlägen. Das kleine Bergwerk verfolgte einen NW-SE streichenden hydrothermalen Eisenerz-Gang (Quarz-Hämatit-Gang), der mehrfach verspringt und maximal 40 cm mächtig ist (Abb. 6). Dieser Erz-Gang streicht auch im Steinbruch aus.
Das Bergwerk taucht unter dem Namen „Eisernes Kreuz“ in den Akten des Bergamtes (heute im Staatsarchiv Gotha) auf. Das Bergwerk ist älter als der Steinbruch und wurde mindestens bis 1913 betrieben. Vermutlich diente der Erzbergbau v.a. als Nebenerwerb in der Winterzeit.

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